Ulrich-T.-Hinderer-Bibliothek

„Zukunft braucht Herkunft“ – unter diesem Motto steht die Ulrich-T.-Hinderer-Bibliothek, in der Interessierte die Kulturgeschichte der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie erforschen können.

Mehr als 600 Bücher aus vier Jahrhunderten stehen im Langenbeck-Virchow-Haus zur Verfügung – das älteste Exemplar stammt aus dem Jahr 1735. In unmittelbarer Nähe zur Charité, an der Johann Friedrich Dieffenbach die Grundsteine der Plastischen Chirurgie legte, existiert somit eine in Deutschland einmalige Sammlung. Die Bibliothek wird laufend durch aktuelle Monografien und Artikel unserer Mitglieder ergänzt.

Der in Spanien geborene Chirurg Prof. Dr. Ulrich T. Hinderer sammelte während seiner Ausbildung und beruflichen Laufbahn zahlreiche Standardwerke der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie. Nach seinem Tod 2007 gingen die deutschen, spanischen, englischen und französischen Werke in den Besitz der DGPRÄC über, mit der Auflage, sie in einer Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach Gründung der „Fondazione G. Sanvenero Rosselli“ 1975 in Mailand ist in Berlin somit die zweite europäische Stätte zum Studium von Geschichte und Ethik der Plastischen Chirurgie entstanden.

Prof. Dr. Ulrich T. Hinderer (1924 – 2007)

Ulrich T. Hinderer kam am 21. Mai 1924 in Madrid zur Welt. 1936 verließ die Familie Hinderer Spanien wegen des Bürgerkriegs und zog nach Deutschland. Im Alter von 17 Jahren musste er die Schule abbrechen und mit der Wehrmacht in Stalingrad, im Kaukasus und in den Ardennen kämpfen.

Nach dem Krieg zog die Familie 1945 wieder nach Madrid, wo Hinderer sein Medizinstudium 1951 beendete. Seinen Dr. med. erlangte Ulrich T. Hinderer 1955 an der medizinischen Akademie zu Düsseldorf.

1964 wurde er Facharzt für Plastische Chirurgie und Facharzt für Orthopädie. Professor für Plastische Chirurgie wurde er 1978 in Madrid. Er setzte sich aktiv für die internationalen Belange der Plastischen Chirurgie ein.

Von 1975 bis 1977 war er Präsident der „International Society of Aesthetic Plastic Surgery“ (ISAPS), von 1987 bis 1988 Präsident der Spanischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie, von 1992 bis 1999 Generalsekretär der „International Confederation of Plastic, Reconstructive und Aesthetic Surgery“ (IPRAS).

Hinderer war Ehrenmitglied von über 20 nationalen Gesellschaften für Plastische Chirurgie. Außerdem war er als Chef-Editor oder Co-Editor zahlreicher Fachzeitschriften tätig, etwa der „Revista Española de Cirugía Plástica“, „Revista IberoLatinoAmericana de Cirugía Plástica“ oder der von ihm gegründeten „Aesthetic Plastic Surgery“.

Ulrich T. Hinderer war Träger der Dieffenbach-Medaille sowie des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse. 83-jährig starb Hinderer im Jahr 2007.

Zukunft braucht Vergangenheit - der Archivar der DGPRÄC

Im Zuge der Gründung der Ulrich-T.-Hinderer-Bibliothek beschloss die Mitgliederversammlung der DGPRÄC am 3. Mai 2007 die Einführung eines Archivars ("Historian"). Dieser sollte von nun an die Geschichte der DGPRÄC dokumentieren und sich um Pflege und Ausbau der Bibliothek kümmern. Nach Möglichkeit sollte der Archivar mit einem jungen Mitglied kooperieren, um sein Wissen auch an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Am 25. Juni 2007 wurde erstmals Prof. Dr. Günter Maria Lösch zum DGPRÄC-Archivar gewählt. Prof. Lösch ist Gründungsmitglied der VDPC und langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie an der Universität Lübeck. Seit 1996 befindet sich Lösch im Ruhestand. 2006/2007 war er maßgeblich am Aufbau der Ulrich-T.-Hinderer-Bibliothek beteiligt. Sein Stellvertreter ist heute Dr. Andreas Gohritz.